Historisches

Für alle “neugierigen” Stadtteilbewohner: hier kann ein Blick auf unseren Stadtteil unter städtebaulichen Aspekten geworfen werden!

Impressionen aus dem alten Neu-Staaken

Stadtteile müssen sich immer wieder den gesellschaftlich notwendigen Veränderungen anpassen. Der Artikel „Impressionen aus dem alten neu-Staaken“ beschäftigt sich mit derartigen Neuerungen im Gebiet. Allerdings Mitte des 19. Jahrhunderts! Genießen Sie den interessanten Rückblick, bevor wir uns der Gegenwart und Zukunft in unserem Stadtteil zuwenden!

Zusammenleben zwischen Dorf und Stadt

Ganz neues Leben kam Mitte des 19. Jahrhunderts mit der Eisenbahnstrecke Berlin-Hamburg auch in die Flächen für Vieh- und Landwirtschaft auf dem Areal der Magistratsländereien östlich des Dorfes Staaken. Anfangs erst zögerlich mit eher kleineren Betrieben entwickelte sich entlang der Bahnlinie ein neuer Industriestandort aber auch die Ansiedlung von meist zweistöckigen Wohngebäuden für deren Angestellte und Arbeiter, wie in der Neu-Staakener Straße (jetzt Spandauer Str.).

Die alteingesessenen Dörfler interessierte das alles wenig, es sei denn sie konnten gute Geschäfte machen beim Geländeverkauf oder den Ablösesummen für den Pachtgrund. Einzig in der Dorfschule kam es zu stabileren Kontakten zwischen Alt- und Neu-Staakener Kindern.

Ansonsten blieben die gut eine halbe Stunde Fußmarsch von Dorfkern entfernt lebenden Neuen unter sich und bildeten ihr eigenes Vereins- und Siedlungswesen. Mehr „Zug“ in den Wandel kam in den 1870ern mit der zweiten Strecke, der Lehrter Bahn, gepaart mit der Expansion der fiskalischen Rüstungsbetriebe und den Ansiedlungen von privaten Großbetrieben Ende des 19. Anfang des 20. Jahrhunderts, wie Orenstein & Koppel oder dem Luftschiff- und Flugzeugbau mit der großen Gasanstalt am Flugplatz Staaken.

Alleine in der Neuen Straße zwischen Magistratsweg und Brandwerder entstanden 16 Reihenhäuser mit je vier Wohnungen. Offensichtlich für meist kinderreiche Familien, denn Quellen berichten davon, dass gut 200 Kinder sich die knapp 150 Meter lange Straße für ihr nachmittägliches Spiel teilten. Oft, zum Ärger der Staakener Bauern, haben (nicht nur) die Neustaakener Kids, sich auf dem Schulweg oder auf „Beutezug“ selbst genüsslich bedient, an den zahlreichen Obstbäumen entlang der Hamburger Chaussee (jetzt BB-Damm) oder am Magistratsweg.


Dort direkt an der Ecke lag seit den 1830ern, bis zum Bau der Louise-Schroeder-Siedlung, der Alte Dorfkrug, der an dem Strukturwandel besonders gut verdiente. Denn egal ob man in Neu-Staaken wohnte und in der Spandauer Rüstungsindustrie, bei O&K oder anderen arbeitete bzw. umgekehrt in Staaken arbeitete und in Spandau wohnte, der Alte Krug lag stets auf dem langen Weg, so dass viele einen gehörigen Teil ihres Wochenlohnes dort gelassen haben.

Ein ganz spezielles Zusammenleben entstand dann in den letzten Kriegs- und den ersten Nachkriegsjahren der 1940er, mit der sog. Dauersiedlung auf dem feuchten Grund des Luchausläufers auf der Südseite des BB-Damms, zwischen Nennhauser und Egelpfuhlgraben. Viele hunderte Ausgebombte, Vertriebene und Geflüchtete Familien haben dort ein kleines Grundstück erhalten und durften aus Trümmern oder abgerissenen Zwangsarbeiterbarracken sich ein flaches Wohnhäuschen bauen plus Garten für Obst, Gemüse sowie Hühner und Hasen.

Dauerhaft bleiben konnten die „Dauersiedler“ jedoch nicht, denn
mit der Planung und dem Bau der Louise-Schroeder-Siedlung war
spätestens Anfang der 60er Schluss mit den eigenen vier Wänden
auf Koloniegrund. Aber nicht wenige davon konnten ihren Umzug
in die Neubauten, als Erstmieter per Pedes und mit Handkarren
bewältigen.


Autor: Thomas Streicher,
Fotos: Sammlung STREICHER Geschichtstreff Staaken

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